Politik und Business:
Warum ich glaube, dass wir das nicht trennen sollten

„Politik gehört nicht ins Business.“ Diesen Satz hört und liest man ziemlich häufig. Gerade als Unternehmer:in soll man sich lieber neutral halten. Keine politischen Diskussionen und bloß keine politischen Statements auf Social Media. Niemanden vor den Kopf stoßen, denn schließlich möchte man verkaufen und nicht diskutieren.
Hmmm…. taj, naja ich ich sehe das tatsächlich anders!
Politik und Business lassen sich meiner Meinung nach gar nicht wirklich trennen.
Politik bestimmt unseren unternehmerischen Alltag
Als Selbstständige kann ich mich natürlich hinstellen und sagen: „Ich mache einfach mein Ding und die Politik interessiert mich nicht.“ Nur leider wird diese Rechnung nicht aufgehen, denn die Politik interessiert sich trotz meiner „Einstellung“ für mein Ding, mein Business.
Sie bestimmt mit, welche Steuern ich zahle. Welche Nachweise ich führen muss. Welche Rechnungen ich schreiben darf. Welche Aufbewahrungspflichten gelten… Wie Arbeitsverhältnisse geregelt sind. Wie hoch Energie- und Spritpreise sind. Welche Datenschutzregeln gelten. Welche bürokratischen Anforderungen Unternehmen erfüllen müssen. Oder etwa nicht?!
Wie kann ich also Politik aus meinem Business heraushalten, wenn Politik mein Business mitgestaltet?
Meine klare Antwort: GAR NICHT! Natürlich muss ich als Grafikdesignerin nicht unter jedes Instagram-Posting meine politische Meinung schreiben. Und natürlich darf ein Unternehmen professionell und sachlich bleiben. Aber ich finde, wir sollten aufhören, so zu tun, als wäre Politik etwas, das mit unserem beruflichen Alltag nichts zu tun hat…denn das Gegenteil ist der Fall.
Pro: Warum es sinnvoll sein kann, Politik und Business zu verbinden
Es gibt gute Gründe, politische Themen im beruflichen Umfeld anzusprechen. Wirklich, schau mal:
1. Politik betrifft Unternehmen direkt
Ob Steuerrecht, Bürokratie, Mindestlohn, Energiepreise, Sozialabgaben, Datenschutz oder Arbeitsrecht: Politische Entscheidungen landen irgendwann auf unseren Schreibtischen, ob wir wollen oder nicht. Nicht cool, ist aber so. Manchmal als Gesetz, denk nur an das Barrierefreiheitsgesetz für Webseiten (#whatTHEfuck?!) oder die ständig steigenden Kosten für Benzin, Strom, Material und Personal. Wer selbstständig ist, merkt das besonders schnell.
2. Unternehmen und Selbstständige sind Teil der Gesellschaft
Wir sind nicht nur Unternehmer. Wir sind Menschen, haben Familien, vielleicht Kinder oder Enkelkinder. Gute Freunde, Nachbarn, Kunden und auch Lieferanten. Und wir leben in einem Land, dessen politische Entscheidungen uns alle betreffen. Also warum sollte ich also ausgerechnet an meiner Bürotür meine Meinung abgeben und neutral sein?
3. Haltung kann Teil einer Marke sein
Ich glaube sogar, dass Haltung eine Marke stärken kann. Nicht jede Marke muss politisch sein, aber wenn mir bestimmte Werte wichtig sind, dann dürfen sie auch sichtbar sein. Für mich gehören dazu beispielsweise Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Vielfalt, Menschlichkeit und ein demokratisches Europa.
Contra: Warum man Politik und Business trotzdem trennen kann
Natürlich gibt es auch gute Argumente für eine Trennung, wenn ein Unternehmen absolut niemanden ausschließen. Wenn ich Dienstleistungen anbiete, möchte ich nicht, dass meine politische Meinung zum Mittelpunkt der Geschäftsbeziehung wird. Außerdem kann politische Kommunikation polarisieren, auch klar 😉
Ein Kunde, der meine politische Meinung nicht teilt, könnte sich gegen eine Zusammenarbeit entscheiden. Das ist vollkommen legitim. Ich finde auch nicht, dass jede Unternehmerin und jeder Unternehmer ständig politische Statements abgeben muss.
Neutralität kann professionell sein. Aber Neutralität ist eben auch eine Entscheidung und manchmal wird aus vermeintlicher Entscheidung einfach Schweigen.
Und jetzt wird es richtig schwierig!
Beschämend, erschreckend und schrecklich empfinde ich die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 06.09.2026. Denn die AfD wurde mit 43,8 Prozent gewählt. Warum zur Hölle!? Das macht mir Angst!

Warum macht mir das Angst?
Ich finde es erschreckend, wie stark eine Partei geworden ist, deren politische Vorstellungen bei so vielen wichtigen Themen gar so weit von meinen eigenen Werten entfernt ist. Gefühlt einem bis zum Mond und zurück. Die AfD geht für mich gar nicht und absolut keine Partei, die man wählen sollte, auch nicht aus Unzufriedenheit.
Ich möchte in einem freien Europa leben.
Deutschland hat eine krasse Vergangenheit und wir sollten so dankbar dafür sein, dass wir ein Teil von „Europa“ sind, dass wir in Frieden und Vertrauen mit unseren Nachbarländern leben können. Deshalb möchte ich Mitglied der Europäischen Union bleiben und den Euro behalten. Alles andere ist doch Quatsch. Schau dir nur mal die Engländer an… was hat denen der Brexit gebracht?! Nix… Der Brexit hat Großbritannien vor allem wirtschaftliche Einbußen, mehr Bürokratie und eine anhaltende politische Spaltung gebracht, während die versprochenen großen Vorteile weitgehend ausblieben. Herzlichen Glückwunsch.
Die AfD verfolgt hier einen deutlich anderen Kurs. Sie lehnt eine stärker zentralisierte EU ab und stellt die nationale Souveränität deutlich stärker in den Mittelpunkt. Im Grundsatzprogramm geht die Position sogar weiter: Dort wird ein Austritt Deutschlands aus dem Euro bzw. eine Volksabstimmung über den Verbleib im Euro-Währungsverbund gefordert. Was für eine Idiotie.
Und dann ist da noch das Thema Frauen.
„Die AfD macht in ihren Programmen keinen Hehl aus ihren rückwärtsgewandten Frauen- und Familienbildern: Sie will hart erkämpften frauenpolitischen Fortschritt zurückdrehen und die heteronorme Kleinfamilie mit männlichem Oberhaupt reinstallieren. Sie will Ungleichheit und die Wiederherstellung einer vermeintlich natürlichen, patriarchalen Ordnung“, warnt die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Dr. Beate von Miquel.
(Quelle: Frauenrat.de)
Puh. Nein Danke! Da ich eine Frau bin, bin ich verdammt froh, dass ich als Frau heute selbst entscheiden kann, wie ich mein Leben führe. Ob ich heirate. Ob ich Kinder bekomme. Ob ich arbeite. Ob ich selbstständig bin. Ob ich mein eigenes Geld verdiene. Ob ich beruflich Karriere mache. Oder ob ich mich ganz anders entscheide.
Und nein: Die AfD fordert aktuell nicht, dass Frauen ihren Ehemann um Erlaubnis fragen müssen, bevor sie arbeiten dürfen. Das wäre schlicht eine falsche Aussage von mir.
ABER die Partei vertritt ein deutlich traditionelleres Familienbild und betont die Möglichkeit, eine Familie mit nur einem Erwerbseinkommen zu ernähren. Und ganz, ganz schlimm: Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl eine starke Einschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen, sodass diese die absolute Ausnahme bleiben. Was für eine Frechheit!
Und genau deshalb möchte ich hinschauen. Denn gesellschaftliche Veränderungen passieren nicht immer auf einen Schlag, Sie passieren manchmal Stück für Stück. Ich möchte nicht irgendwann feststellen, dass Freiheiten, für die Generationen vor uns gekämpft haben, plötzlich wieder zur Diskussion stehen.
Menschen sind nicht mehr oder weniger wert.
Ein weiterer Punkt, bei dem ich sehr deutlich werde, ist Inklusion. Ich kann die Vorstellung einfach nicht akzeptieren, dass Menschen aufgrund einer Behinderung weniger dazugehören sollen. Was soll das nur?!
Menschen mit Behinderung gehören in unsere Schulen und unsere Arbeitswelt. In unser gesellschaftliches Leben. Nicht irgendwo daneben, sondern Mittendrin.
Die AfD fordert nicht, Menschen mit Behinderungen generell aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Sie lehnt jedoch eine aus ihrer Sicht „ideologische Inklusion um jeden Preis“ ab und möchte Förderschulen erhalten.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal nochmal erwähnen, dass die Die AfD vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesamte Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wurde.
Politik & Business trennen?
Kann man machen, muss man aber nicht. Ich möchte meine Kund:innen nicht politisch belehren und schon gar nicht möchte ich hier eine Parteiwerbung aus meinem Business machen. Aber ich möchte politische Themen nicht grundsätzlich aus meinem beruflichen Leben verbannen, denn Politik beeinflusst unser Business und im Jahr 2026 gerade mich als Frau und selbstständige Mama noch mehr!
Unsere Gesellschaft beeinflusst unsere Marken, unsere Werte beeinflussen unsere Entscheidungen. Und unsere Entscheidungen beeinflussen wiederum unsere Gesellschaft. Ein Kreislauf oder auch ein Teufelskreis?
Vielleicht sollten wir deshalb wieder etwas mehr miteinander redenn, nicht nur mit den Menschen, die sowieso genauso denken wie wir. Sondern auch mit denen, die anderer Meinung sind. Sachlich. Offen. Manchmal kontrovers. Und meinetwegen auch mal richtig unbequem, hilft ja nichts.
Denn Demokratie bedeutet für mich nicht, dass alle das Gleiche denken. Demokratie bedeutet, dass wir darüber sprechen können.
Genau deshalb möchte ich Politik und Business nicht komplett voneinander trennen, denn am Ende bin ich nicht nur Unternehmerin sondern auch Bürgerin mit Stimmrecht. Und ich möchte verdammt nochmal mitentscheiden, in was für einem Land ich leben und arbeiten möchte.
Bist du Fan von klaren Worten?
Dann freue ich mich auf dich und dein Business!
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