Grafikdesignerin vs. KI
Gleiches Briefing, komplett unterschiedliche Ergebnisse: Logodesign


Es war ein Selbstexperiment, das ich eigentlich nur für mich machen wollte. Ich habe dasselbe detaillierte Briefing für ein Logo (konkret für das Projekt „Dein Fuß und Du“) an ChatGPT, Claude und mich selbst gegeben. Gleiche Zielgruppe, gleiche Markenwerte, gleiche Vorgaben. Und dann habe ich geschaut, was dabei herauskommt. Das Ergebnis? Eindeutig. Und ich sage das nicht aus Eigeninteresse.
Das Briefing: Dein Fuß & Du
Das Briefing war präzise formuliert, mit einer klar definierten Markenidentität. Ich zitiere es hier originalgetreu, denn genau das macht den Vergleich interessant:
„Neugründung von „Dein Fuß & Du“ von Sonja Nelson. Bei Sonja dreht sich alles um den Fuß, das Wohlbefinden, Gesundheit und Ästhetik. Es soll eine Wortbildmarke entstehen. Egal ob Mann oder Frau, jeder ist herzlich willkommen und soll das Angebot für die klassische Fußpflege in Anspruch nehmen und sich auch angesprochen fühlen. Sonja arbeitet systemisch und nach klassischen Standards. Die Option besteht, das Geschäftsfeld später noch um Rückenmassage und weitere kosmetische Dienstleistungen zu erweitern. Farben Grün und Beige sind gewollt.“
Dieses Briefing – Wort für Wort – habe ich in beide KI-Tools eingegeben. Und ja, beide haben schnell etwas geliefert. Grün und Beige wurden erkannt, „Fußpflege“ und „Wortbildmarke“ auch. Aber ein Briefing lesen und eine Marke verstehen… das sind zwei grundverschiedene Dinge.
„Die KI liefert in Sekunden. Aber sie hat keine Ahnung, wer Sonja ist und für wen sie wirklich arbeitet.“
Was die KI geliefert hat
Beide Tools haben innerhalb von Sekunden Konzepte produziert. Und ja… auf den ersten Blick sah es gar nicht schlecht aus. Ein stilisierter Fuß hier, ein rundes Emblem dort, Grün- und Beigetöne gesetzt, eine serifenlose Schrift in ruhigem Gewicht. Optisch gefällig. Technisch korrekt.
Und genau das ist das Problem. Das Briefing enthält das Wort „Wortbildmarke“ und die KI hat Symbole generiert, die kaum eigenständig funktionieren. „Fußpflege“ wurde zur Clip-Art. Und die wichtigste Information im ganzen Briefing, dass Sonja alle ansprechen will, Männer wie Frauen, klassisch und professionell… ist im Ergebnis komplett verschwunden. Es entstand etwas Weich-Dekoratives, das eher an einen Wellness-Spa erinnert als an eine seriöse Fachpraxis.
Dazu kommt: Das Briefing erwähnt eine mögliche Erweiterung um Rückenmassage und Kosmetik. Eine gute Designerin denkt das mit. Die KI ignoriert es vollständig.



KI-generiertes Logo (ChatGPT & Claude)
VORTEILE
+ Sofort verfügbar – Ergebnis in Sekunden+ Kostenlos oder sehr günstig
+ Viele Varianten auf einen Schlag
+ Guter Ausgangspunkt für erste Ideen
+ Kein Briefing-Gespräch nötig
NACHTEILE
− Generisch: bedient das Genre, nicht die Marke
− Urheberrechtslage juristisch ungeklärt: kein sicheres Eigentum
− Keine Vektordateien (SVG, EPS, AI) > nicht druckfähig, nicht skalierbar
− Keine Fontlizenzen inklusive > verwendete Schriften sind unklar oder nicht lizenziert
− Kein Styleguide, keine Farbcodes (HEX, CMYK, Pantone), keine Varianten
− Austauschbar, gleiches Briefing, ähnliches Ergebnis für jeden anderen Kunden
− Kein Marktverständnis: Die KI kennt nicht die Mitbewerber deiner Kundin
− Farben werden wörtlich umgesetzt, nicht interpretiert: „Grün“ bleibt ein Pixelwert, keine Atmosphäre
− Schwer schützbar: kein dokumentierter kreativer Prozess für Markeneintragung
− Kein Kontext für Anwendung: Visitenkarte, Social Media, Werbung: alles nicht mitgedacht
− Halluzinationsgefahr: KI erfindet Symboliken, die kulturell oder branchenspezifisch falsch liegen können
Was ich, Gina Fuchs als Grafikdesignerin, abgeliefert habe
Bevor ich auch nur einen Strich gezeichnet habe, habe ich mit Sonja getroffen und mit ihr gesprochen. Wirklich gesprochen. Was bedeutet es ihr, dass sie sich selbstständig macht? Wen will sie wirklich ansprechen (Zielgruppe)? Männer genauso wie Frauen? Wie soll sich das Logo anfühlen, wenn ein Mann über 50 es zum ersten Mal auf einer Visitenkarte sieht? Bleibt er? Oder fühlt er sich in der falschen Praxis?
Das Briefing nennt Grün und Beige, aber welches Grün trägt diesen Spagat zwischen medizinischer Seriosität und wohltuender Ästhetik? Und wie entwickelt sich die Wortbildmarke weiter, wenn Rückenmassage und Kosmetik dazukommen? Ein Logo, das heute nur „Fuß“ schreit, schränkt morgen ein. Diese Weitsicht kommt nicht aus einem Prompt.
Was am Ende entstanden ist, verbindet Verlässlichkeit mit Sonjas Persönlichkeit und Wärme: klar genug für die Fachpraxis, einladend genug für alle. Sonja hat beim ersten Anblick gesagt: „Genau so soll es sein.“ Das ist der Unterschied.

Logo von der Grafikdesignerin
VORTEILE
+ Trifft die Persönlichkeit der Marke, nicht nur das Genre
+ Sauber als Vektorgrafik: unbegrenzt skalierbar
+ Klares Urheberrecht und Nutzungsrecht geregelt
+ Vollständiges Markenpaket: Farben, Schriften, Varianten
+ Strategisches Denken: Logo im Kontext der Gesamtmarke
+ Beratung & Austausch im Prozess inklusive
+ Rechtssicher verwendbar (Fontlizenzen, Bildrechte)
+ Langfristige Partnerin für Markenentwicklung
NACHTEILE
− Kostet Zeit… guter Prozess braucht Wochen, nicht Sekunden
− Investition notwendig: professionelles Design hat seinen Preis
− Erfordert aktive Beteiligung der Kundin im Prozess
− Manchmal entsteht emotionale Bindung ans erste Ergebnis… Feedback braucht Offenheit
MEIN FAZIT
KI ist ein Werkzeug. Kein Ersatz.
Ich nutze KI selbst: für Research, für Textideen, für erste Moodboard-Impulse. Aber ein Logo ist kein Textbriefing. Ein Logo ist das Destillat einer Markenidentität. Es trägt die Person, das Angebot, das Versprechen. Und das entsteht im Dialog, nicht im Prompt.
Das Experiment hat gezeigt: Die KI-Logos für Dein Fuß und Du sahen aus wie tausend andere Logos in diesem Bereich. Das Logo, das am Ende für meine Kundin Sonja entstanden ist, sieht aus wie sie. Und das ist der Unterschied, für den man investiert.
Wenn du ein Angebot aufbaust, das du mit vollem Herzen vertrittst, dann verdient es auch ein Logo, das zu 100 % zu dir und deinem Business passt! Nicht ein generiertes Bild.
Bereit für ein Logo, das wirklich du bist?
Ich freue mich auf dein Projekt: schreib mich gerne direkt an.
Weitere Blogartikel
Google Bewertungen sind wichtig für Kundengewinnung
RGB vs. CMYK: wann welcher Farbraum richtig ist


Bereit für ein neues Projekt?



